Ein Haus, eine Fernbedienung - für alles

17.05.2010 | Berlin
Ein deutscher Haushalt verfügt derzeit im Schnitt über rund 50 Elektrogeräte. Die meisten dieser Geräte werden schon bald internetfähig. Fernseher, Waschmaschine, Heizung, Lampen und Co. geben ihre Insel-Dasein auf, werden intelligent vernetzt und sind über das Internet steuerbar. Das erwartet der Hightech-Verband BITKOM. "Bald gibt es das ,Eine-Fernbedienung-Haus".

Mit dieser einen Fernbedienung - oder einem Handy - werden alle elektronischen Haushaltsgeräte gesteuert", sagte Michael Schidlack, Experte für Heimvernetzung und Consumer Electronics beim BITKOM. Das Thema Heimvernetzung steht im Mittelpunkt des Kongresses "ConLife".

Heimvernetzung wird nach BITKOM-Einschätzung in Deutschland zu einem Milliardenmarkt und zum Treiber der gesamten Consumer Electronics. Die technische Basis für die Vernetzung der Geräte ist mittlerweile in vielen Haushalten vorhanden. Verbraucher achten beim Kauf von Elektronik zunehmend darauf, dass die Geräte einfach zu vernetzen und ans Internet anzuschließen sind. Schidlack betont, dass Heimvernetzung nicht nur die Unterhaltungselektronik, sondern den gesamten Haushalt umfasse: "Intelligent vernetzte Haushaltsgeräte senken Energiekosten und unterstützen hilfsbedürftige Menschen. Energiefresser werden schneller gefunden, Lampen können per Handy ausgeschaltet werden, der Notarzt wird automatisch gerufen, wenn eine pflegebedürftige Person stürzt". Durch den Einsatz von IT und Telekommunikation lässt sich die Energie-Nachfrage ohne Komforteinbußen steuern. Verbraucher können künftig etwa mithilfe intelligenter Stromzähler ihre Waschmaschinen und Geschirrspüler automatisch starten, wenn Energie besonders günstig ist - zum Beispiel nachts oder wenn Windkraftanlagen besonders viel Strom produzieren.

Die "ConLife" feiert am 19. und 20. Mai in Köln Premiere. Ausrichter des Kongresses mit begleitender Ausstellung zu Heimvernetzung sind die Koelnmesse und BITKOM, Schirmherr ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. "Heimvernetzung bringt Consumer Electronics, Telekommunikation und Mobilfunk, Energieversorgung, Wohnungswirtschaft und Immobilien bis hin zum Gesundheitswesen zusammen. Die Conlife bildet alle Themen unter einem Dach ab und wird so zu einer übergreifenden Plattform für alle involvierten Branchen", sagte Kai Schmude, Geschäftsbereichsleiter IT & Digital Entertainment bei der Koelnmesse GmbH. Die ConLife zeigt innovative Produktwelten, neue Geschäftsmodelle für Handel und Handwerk und spricht rechtliche Rahmenbedingungen und Verbraucherfragen an. BITKOM-Experte Schidlack: "Wir wollen auf der ConLife ein branchenübergreifendes Forum für Experten rund um Heimvernetzung anbieten, die Vernetzung bei Fragen der Standardisierung voranbringen und das Thema Heimvernetzung nach vorne bringen."

Ein Beispiel für die zunehmende Heimvernetzung ist das Zusammenwachsen von TV und Web. So steigt der Absatz internetfähiger Fernseher in Deutschland derzeit stark an. Im vergangenen Jahr wurden laut GfK über eine halbe Million TV-Geräte mit integriertem Web-Zugang verkauft. 2010 werden es nach BITKOM-Berechnungen rund 2 Millionen Stück sein. Damit ist mehr als jeder fünfte verkaufte Flachbildfernseher internetfähig - Tendenz klar steigend. 2011 soll sich der Absatz dieser hybriden TV-Geräte auf rund 4 Millionen Stück verdoppeln. Mit Hybrid-TV-Geräten lassen sich Filme aus dem Internet bequem direkt auf dem Fernseher ansehen. Auch der Zugriff auf bestimmte Nachrichten und Informationen aus dem Netz ist auf diese Weise möglich. "Internetfähige Fernseher bringen das Web auch in Haushalte, die keinen Computer haben und schließen dort den digitalen Graben in unserer Gesellschaft", so Schidlack. Hybrid-TV-Geräte besitzen zusätzlich zur klassischen Antennenbuchse einen Internet-Anschluss und damit einen Zugang zum Heimnetzwerk. Alle anderen Flachbildschirme können für den Internet-Empfang nachgerüstet werden, meist über hybride Set-Top-Boxen.

Kein Wunder, dass Set-Top-Boxen derzeit boomen. Nach Prognosen des Marktforschungsinstituts EITO werden in diesem Jahr voraussichtlich 5,5 Millionen Geräte in Deutschland verkauft - ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2011 wird ein Absatz in Höhe von 6,5 Millionen Set-Top-Boxen erwartet. Der Umsatz mit Set-Top-Boxen wird 2010 um fast 40 Prozent auf 720 Millionen Euro steigen, 2011 um weitere 30 Prozent auf knapp 940 Millionen Euro.

Der deutsche Markt für digitale Consumer Electronics (CE) wird sich 2010 im europäischen Vergleich gut entwickeln. Laut EITO sollen 12,3 Milliarden Euro hierzulande mit Flachbildfernsehern, Digitalkameras, Spielekonsolen und Co. umgesetzt werden. Das entspricht in etwa dem Vorjahresniveau. Flachbildfernseher bleiben das wichtigste Segment im CE-Markt. Sie stehen 2010 für etwa die Hälfte der Umsätze. Nach neuen Schätzungen werden voraussichtlich rund 9,1 Millionen Geräte verkauft, ein Plus von 9,4 Prozent gegenüber 2009.

Anmerkung der Redaktion



Quelle: Pressemeldung BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft,Telekommunikation und neue Medien e.V.

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